Die Fankultur am Sachsenring ist sächsisches Kulturerbe. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch an alle Fans und die Initiatoren Sachsenring Event GmbH sowie Tourismusverband Chemnitz Zwickau Region e. V.!
Die Fankultur und die Atmosphäre beim Motorrad Grand Prix Deutschland sind unvergleichlich – das beweisen mehr als eine Viertelmillion Besucher am Sachsenring in jedem Sommer. Nun ist die Begeisterung für eines der größten deutschen Einzelsportevents auch amtlich: Die Fankultur am Sachsenring ist in die Sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Damit wird eine Kulturform gewürdigt, die den Sachsenring und die Region seit Jahrzehnten prägt und weit über den Motorsport hinausgeht. Immaterielles Kulturerbe umfasst lebendige Kulturformen, die von Wissen, Können und Traditionen getragen und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dazu zählen unter anderem Bräuche, Feste, Handwerkstechniken sowie Musik- und Ausdrucksformen.
Die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, betont: „Das Immaterielle Kulturerbe ist tief in den Regionen unseres Freistaates verwurzelt. Es lebt vom Engagement der Menschen vor Ort, die Traditionen bewahren und zugleich weiterentwickeln. Die nominierten Kulturformen zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig, identitätsstiftend und lebendig unsere regionale Kultur ist – von jahrhundertealtem Handwerk bis hin zu modernen urbanen Bewegungen.“
Rund um den Motorrad Grand Prix auf dem Sachsenring hat sich in fast 100 Jahren Renngeschichte eine generationenübergreifende, internationale und friedliche Fankultur entwickelt. Sie reicht weit über das sportliche Geschehen hinaus und steht für gelebte Tradition, eine große Identifikation mit der Rennstrecke sowie eine besondere Offenheit gegenüber Gästen aus dem In- und Ausland. Ihre besondere Bedeutung zeigt sich auch in den Besucherzahlen des Liqui Moly Motorrad Grand Prix Deutschland. Der Sachsenring verzeichnete zuletzt vier Zuschauerrekorde in Folge. Beim Rennwochenende der MotoGP 2025 kamen insgesamt 256.441 Besucher an die Traditionsstrecke.
Nach der nun erfolgten Aufnahme in die Sächsische Landesliste hat der Freistaat Sachsen die Fankultur im aktuellen Auswahlverfahren auch für das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen. Über die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis entscheidet die Kulturministerkonferenz im Frühjahr 2027. Zuvor bewertet ein unabhängiges Expertengremium bei der Deutschen UNESCO-Kommission die eingereichten Vorschläge.
Die Bewerbung zur Aufnahme der Fankultur am Sachsenring war 2025 von der Sachsenring Event GmbH als Ausrichter des Liqui Moly Motorrad Grand Prix Deutschland und dem Tourismusverband Chemnitz Zwickau Region e. V. initiiert worden.
Foto: ADAC / Sachsenring Event GmbH

So sehen sie Einheimische und Gäste noch heute bei den Bergparaden an Weihnachten und zu jährlichen Festen, etwa dem Bergstadtfest in Freiberg (letztes Juniwochenende) und dem Bergstreittag in Schneeberg (21. Juli). Im Sächsischen Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine sind 65 Vereine aus Sachsen und der Tschechischen Republik mit mehr als 3.500 Mitgliedern organisiert.
Schon im Mittelalter begannen die Bergleute, sich in Knappschaften zu organisieren. So vertraten sie ihre Interessen gegenüber den Grubenbesitzern und dem Landesherrn. Dabei ging es um die soziale Absicherung der Bergmänner und ihrer Familien bei Krankheit, Unfall oder Tod. Die beiden ältesten bis heute existierenden Vereinigungen sind die „Berggrabebrüderschaft Ehrenfriedersdorf“ (1338) und die „Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft e. V.“ (1426).
Große Silberlagerstätten werden im 15. Jh. um Schneeberg und Annaberg-Buchholz entdeckt. Die Vorkommen sind so reich, dass Schneeberg zur Freien Bergstadt (1481) ernannt wird, um weitere Menschen anzulocken. Herausragendes Bauwerk dieser Zeit ist die spätgotische Hallenkirche St. Wolfgang (1516-1540) mit dem Lucas-Cranach-Altar aus der Reformationszeit. Die auch als Bergmannsdom genannte Kirche ist Ziel der jährlichen Bergparade zum „Bergstreittag“ (21.7.). Seit 1498 erinnern die Bergbauvereine an einen erfolgreichen Streik gegen Lohnkürzungen. Heute zeigt sich Schneeberg als die „Barockstadt des Erzgebirges“. Nach dem großen Brand (1719) erfolgte der Wiederaufbau der Stadt, die damals weltgrößtes Abbaugebiet für Kobalt war.
Architektonisch vielfältig ist Annaberg-Buchholz, die erste geplante Bergstadt, die direkt über den Gruben errichtet wurde. Ihre Stadtgeografie reicht von Renaissance bis Gründerzeit, wenn Gäste ihren Blick in der Altstadt schweifen lassen. Sie ist unter und über Tage ein großes Erlebnis: Im Silberbergwerk „Im Gößner“, direkt unter der Altstadt, macht man einen Ausflug ins 15. Jh. Zu jener Zeit veröffentliche der Bergbeamte und Schreiber Adam Ries in der Stadt das erste Rechenbuch in deutscher Sprache und mit arabischen Zahlen. Dies erleichterte die Buchführung sowie Verwaltung enorm und machte europaweit Schule. Weithin sichtbar thront St. Annen. Die spätgotische Hallenkirche mit ihrem grazilen Schlingrippengewölbe ist das Symbol für die Bergbaukultur schlechthin. Auf dem Bergaltar sehen Gäste die älteste Kunstdarstellung des sächsischen Bergbaus aus der Reformationszeit. Damals entstand aus einem Kirchweihwest nach Pfingsten auch die „Annaberger Kät“, seit 1520 eines der ältesten Volksfeste Deutschlands.
Im Unterschied zu den frühen Zeiten, als Bergstädte meist wild nahe den Gruben entstanden, sind für das 16. Jh. geplante Gründungen typisch. Beim Bau Marienbergs ab 1521 wurden erstmals nördlich der Alpen die Prinzipien der Renaissance für eine Idealstadt verwirklicht: quadratischer Zentralplatz sowie rechtwinklige Anordnung von Straßen und Häuserblocks. Der Marktplatz mit Rathaus und Bürgerhäusern, das Bergamt, das Fürstenhaus und die spätgotische Hallenkirche St. Marien (1558-1564) sind alle erhalten. Eine Turmbesichtigung auf Rathaus oder St. Marien erleben Gäste als eindrucksvolle Lehrstunde in architektonischer Geometrie.
Die Besiedlung begann unmittelbar nach dem ersten Silberfund 1168. In der Nähe entstand die älteste und später größte Bergstadt des Erzgebirges: Freiberg. Ihr Name verweist auf das Kernmerkmal einer Bergstadt: die Freiheit ihrer Einwohner. Mit Blick auf den finanziellen Erfolg des Bergbaus verliehen die sächsischen Fürsten und der territoriale Adel die Bergfreiheit, also das Recht, Lagerstätten von Erzen zu suchen. Vom reichen architektonischen, kulturellen und religiösen Erbe des Silbers zeugt die Altstadt. Unsere Gäste gewinnen davon einen Eindruck, wenn sie auf das Schloss und die Märkte, das Oberbergamt, die Bürger- und Arbeiterhäuser oder den Dom als Denkmal der Romanik schauen. Dessen „Goldene Pforte“ gilt als das erste Figurenportal der deutschen Kunstgeschichte. Highlights sind die Bergmannskanzel und die Konzerte auf der Orgel des berühmten Orgelbauers Silbermann. Jedes Jahr im Juni zieht das Bergstadtfest mit den Bergparaden zehntausende Menschen an, die über das lebendige Brauchtum staunen.