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10. Mai 2023 | Text

Markttrends: Wie Erzgebirger Sägen leichter machen

Der Trend zum Leichtbau bei elektrischen Handwerkzeugen für Garten und Forst hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Denn wer einen Garten hat, kennt die Dankbarkeit über die akkubetriebenen Heckenscheren, Kettensägen und Rasentrimmer, die in den letzten Jahren entwickelt wurden und manches Kabelchaos ablösten. Doch leistungsfähige Akkus brachten mehr Gewicht ins Gerät. Gleichzeitig stiegen die […]

Der Trend zum Leichtbau bei elektrischen Handwerkzeugen für Garten und Forst hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Denn wer einen Garten hat, kennt die Dankbarkeit über die akkubetriebenen Heckenscheren, Kettensägen und Rasentrimmer, die in den letzten Jahren entwickelt wurden und manches Kabelchaos ablösten. Doch leistungsfähige Akkus brachten mehr Gewicht ins Gerät. Gleichzeitig stiegen die Erwartungen der Anwender an Ergonomie und Handhabbarkeit: Heckenscheren und Kettensägen sollen also möglichst nicht nur leicht, sondern auch vibrationsarm sein. Und in vielen Anwendungsbereichen sind geringe Geräuschemissionen gewünscht, etwa in Wohngebieten, Klinikarealen oder Kurorten. Im Innovationsprojekt „LevioSa – Leichtbau für vibrationsarme Sägen“ innerhalb des Bündnisses „Smart Composite Erzgebirge“ (SmartERZ) tüfteln seit kurzem Partner aus Unternehmen und Forschung daran, wie Gartenarbeit künftig noch leichter werden kann. Seit vier Jahren steuert die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH das Forschungsbündnis SmartERZ.

Vier Wünsche zugleich: Leicht, vibrationsarm, leise – und trotzdem leistungsstark

Die Koordination des Projekts liegt in den Händen des europaweit führenden Herstellers in der Gartentechnik-Branche Mogatec GmbH. „Wir sehen für die gesamte Produktfamilie der elektrischen Handwerkzeuge enorme Entwicklungsmöglichkeiten in den nächsten Jahren. Am Beispiel einer Kettensäge wollen wir die Innovationspotenziale ausloten“, betont Tobias Wetzel, Geschäftsführer der Mogatec. Auf Leistungsfähigkeit bei einer Kettensäge wollen die Nutzer natürlich nicht verzichten. Mit Produkteigenschaften wie weniger Gewicht, geringe Vibrationen und Geräuschabstrahlung sowie effizienter Materialeinsatz lassen sich Markttrends wie gute Handhabbarkeit und ermüdungsfreies Arbeiten, Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit gezielt befriedigen. Die Entwicklung von Geräten mit einer so optimalen Kombination von Eigenschaften sei auch für ein Unternehmen mit kompletter Wertschöpfungskette wie Mogatec eine komplexe Aufgabe, wie Arne Fiedler, Leiter Technik und Entwicklung, erklärt: „Wir haben Partner aus der Region gewonnen, die ihre Kompetenzen aus den Bereichen Materialforschung, technische Textilien und Hochleistungskunststoffe einbringen“. Das Fraunhofer–Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung (IFAM) aus Dresden hat Expertise im Bereich Formgebung und Funktionswerkstoffe. Die Kompetenzen für Funktionstextilien kommen vom Nähgewirkhersteller Technitex Sachsen GmbH aus Wüstenbrand. Das Know-how für Spritzgusstechnologie steuert die WESKO GmbH aus Stollberg bei.

Geräteaufbau und Materialmix als technologische Herausforderung

Aufgrund der vielen verschiedenen Komponenten, aus denen eine Kettensäge besteht, gibt es viele Ansatzpunkte im Gerät, um Schwingungen, Geräusche und Gewicht zu reduzieren: Gehäuseteile und Bedienteile, Tragkonstruktionen für Motor und Getriebe, Verbindungen und Befestigungen. Auch die Art der Werkstoffe, wie unterschiedliche Metalle und Kunststoffe, sowie die einzelnen Materialkombinationen spielen dabei eine Rolle. Beim LevioSa-Projekt wird unter anderem der innovative Ansatz verfolgt, die Schwingungen einer Kettensäge einerseits mittels leichter Verbundwerkstoffe aus Textil und Kunststoff zu dämpfen. Eigenschaften wie Leichtigkeit, Stabilität und Schwingungsdämpfung haben auch bestimmte technische Textilien, wie Robert Hillig, Leiter Forschung und Entwicklung bei der Technitex Sachsen GmbH deutlich macht: „Textil kann ein wirksamer Kunststoffverstärker in Spritzgießprodukten sein. Knifflig sind natürlich Fragen der Formgebung, der gegenseitigen Materialverträglichkeit und der Verbindung der Werkstoffe.“ Funktionsfähigkeit, Qualität und Dichtheit müsse bei all dem gewahrt bleiben.

All das sind auch Themen, mit denen sich Sebastian Gnüchtel beschäftigt. Er verantwortet das Projektmanagement bei der WESKO GmbH. Gnüchtel wird sich im LevioSa-Projekt vor allem den Fragen rund um die Spritzgusstechnologie von Kunststoffteilen mit Textilfaseranteil widmen: Welcher Kunststoff ist geeignet? Welche Formen sind möglich, um Textilfasern einzubringen? Wie müssen Spritzgusswerkzeug und Fertigungsschritte aussehen? „Derzeit investieren wir bei WESKO in weitere große und sehr leistungsfähige Spritzgießanlagen. Das wird unsere Möglichkeiten in der Fertigung erweitern“, stellte er in Aussicht.

Innovation und Kooperation als Wettbewerbsvorteil für das ganze Erzgebirge

Viele weitere Themenkomplexe wird das LevioSa-Projektteam in den nächsten drei Jahren bearbeiten, so auch den ressourcenschonenden Materialeinsatz und die Recyclingfähigkeit sowie die Reparaturfähigkeit der Kettensäge mit dem neuen Materialverbund. Die Partner erwarten, dass Nachhaltigkeit neben Leichtbau sowie Vibrations- und Geräuschminderung zukünftig entscheidende Verkaufsargumente sein werden. Bis Dezember 2025 läuft die Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Gebündelte, firmenübergreifende Entwicklungskompetenz ist der Schlüssel dafür, um mit technologisch anspruchsvollen Produkten die Wirtschaftsregion Erzgebirge erfolgreich in die Zukunft zu führen. Genau das will das Projekt LevioSa zeigen. „Neue Werkstofftechnologien mit Partnern zu erforschen und zügig in den Markt zu bringen, verschafft uns nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern auch viele Vorteile für die Konzeption und Auslegung elektrischer Handwerkzeuge“, sagt Tobias Wetzel zu den Projektaussichten. Dr. Andreas Ebert, Geschäftsführer WESKO, ergänzt: „Innovationen bei Produkteigenschaften erfordern neue technische Lösungen auch in der Herstellung. Faserverstärkte Kunststoffe bedingen neue und innovative Technologie, die uns als gesamte Wirtschaftsregion zukünftig mehr Wettbewerbsvorteile und Wertschöpfung bietet.“ Genau aus diesem Grund initiierte und koordiniert die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH seit über vier Jahren das Forschungsprojekt SmartERZ.

Die Partner im Projekt LevioSa

Mogatec GmbH, Drebach (Koordination) – www.mogatec.com

Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM), Dresden – www.ifam.fraunhofer.de

Technitex Sachsen GmbH, Hohenstein-Ernstthal OT Wüstenbrand – www.technitex-sachsen.de

WESKO GmbH, Stollberg – www.wesko-gmbh.de

Über SmartERZ

SmartERZ ist ein Netzwerk von aktuell über 200 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Ziel des Bündnisses ist die Initiierung eines innovationsgetriebenen Strukturwandels in der Wirtschaftsregion Erzgebirge. Der Fokus liegt dabei auf der Funktionalisierung von innovativen Werkstoffverbunden (Composites). Das enorme Innovations-und Wachstumspotential derartiger Materialien nutzt die Region Erzgebirge zur Transformation zum Hightech-Standort. SmartERZ versteht sich als branchen- und unternehmensübergreifendes Technologiecluster, das langfristig regionale Wertschöpfung generiert. Hauptinitiatoren sind die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH als Konsortialführer und die TU Chemnitz. Das Bündnis wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programmes „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ gefördert.

Quelle: https://www.wfe-erzgebirge.de/aktuelles/markttrends-im-blick-wie-erzgebirger-saegen-leichter-und-vibrationsaermer-machen

Autor: Carsten Schulz-Nötzold, M.A.

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